Wer das Schweigen bricht
Rezensionen
...Der Stoff, den Mechtild Borrmann in ihrem vierten Roman aufgreift, lässt einem den Atem stocken. Kein historisches Gelände ist von Kitsch vermint wie die Zeit des Nationalsozialismus. ... Doch erstaunlicherweise unterläuft die 1960 geborene Autorin alle Befürchtungen mit ihrer äußert knappen und konzentrierten Erzählung, die völlig unsentimental ein Verbrechen aufgreift, das juristisch nicht verfolgt werden kann. Es geht um die Zerstörung von Vertrauen, um Manipulation und Denunziation - aus Liebe. ...
... Mechtild Borrmann ist mit "Wer das Schweigen bricht" ein erstaunliches Buch gelungen. Sie vergegenwärtigt das Gefühlschaos der Eltern oder Großeltern, die als Kinder und Jugendliche in den Nationalsozialismus hineinwuchsen, durch vielstimmige analytisch-detektorische Kunst: Sie deckt auf, was verborgen bleiben möchte.
Thobias Gohlis
KrimiZeit-Bestenliste Juli/August
Buchjournal 3/2011
... ein schnell gelesener Roman, der nachweht, weil er nachdenklich stimmt. Fesselnd und authentisch geschrieben über eine Zeit, in der sich moralische Entscheidungen oft der Diktatur beugen mussten. Aber auch über eine Zeit, in der Kinder nicht immer wissen, unter welchen Umständen ihre Vorfahren in der Nazizeit lebten und überlebten.
Cornelia Garnitta
Der Westen
11.08.2011
...Mechtild Borrmann erzählt packend und atmosphärisch punktgenau von einer ungeheuerlichen Lüge, einer grandiosen Vertuschung entlang zweier Handlungsstränge - der eine zielt nach vorn auf die Lösung, der andere nach hinten, dort, wo alles gründet.
Volker Albers
Hamburger Abendblatt
03.08.2011
..."Wer das Schweigen bricht" ist nicht einfach ein weiterer Kriminalroman, der vor dem Hintergrund der Verbrechen des Faschismus angelegt ist. Er erzählt von Menschen, die in drückenden Verhältnissen ganz normal gelebt haben, die ihren Wünschen und Sehnsüchten gefolgt sind - und sich dabei zuletzt schuldig gemacht haben. ...
... Damit erzählt "Wer das Schweigen bricht" auf beeindruckende, gar nicht missionarische Weise von der persönlichen Verantwortung für Entscheidungen. Kein Verweis auf die Verhältnisse entschuldigt das Fehlverhalten - eine Erkenntnis, die Bedeutung auch unter demokratischen Bedingungen hat.
Andrea Fischer
Deutschlandradio
..."Wer das Schweigen bricht" ist ein erstmal merkwürdig ruhig daher kommender, über das Thema bald fesselnder zeitgeschichtlicher Kriminalroman: entspannt geschrieben, fein konstruiert, treffend weil authentisch.
Ulrich Noller
Funkhaus Europa
06.07.2011
"Liebe tötet" 90° Treffer
... Zwei Zeitebenen, ausgefeilte Charakterstudien, die Einflüsse der Weltgeschichte auf persönliche Schicksale, hoher Spannungsfaktor und eingesteuter, lakolnischer Witz.
... Mechtild Borrmann gelingt das Kunststück all diese Faktoren in ihrem nicht besonders umfangreichen Werk unterzubringen. Ohne gehetzt zu wirken, oder dem Leser das Gefühl zu verleihen, einem komprimierten Readers Digest-Ritt durch die Historie folgen zu müssen. Borrmann schreibt derart fokussiert, fass man nur Beifall zollen kann.
... Figuren, die oft nur knapp umrissen werden und doch eigenständigkeit und Tiefenschärfe besitzen, gelingen ihr ebenso, wie beide Erzählstränge scheinbar mühelos spannend, nachvollziehbar und ohne übertriebene Kniffe und Wendungen zu einem homogenen Gesamtwerk zu verbinden.
... Wer das Schweigen bricht ist ein ganz großer Wurf in knapper Form.
Bleibt nur zu hoffen, dass er - bei dem Sujet leider im Bereich des Möglichen - nicht zu ungeliebter Schullektüre auserkoren wird. Denn dieses hochspannende und klug ausgearbeitet Buch ist es wert, freiwillig gelesen zu werden.
Jochen König
Krimicouch.de
April 2011
... Mechtild Borrmann ist eine der interessantesten Autorinnen von Kriminalliteratur hierzulande, damit Ausrufezeichen und zum Buch.
... Die Kunst von Mechtild Borrmann liegt darin, ihre Geschichte aus unterschiedlichen Personen- und Zeitperspektiven zu entwickeln. Unspektakulär und eindringlich, asketisch in der Storyführung, ohne ungesunde Magerkeit.
...Der Text packt einen und wartet mit einer hübschen finalen Überraschung auf, einem Clou, auf den man selbst hätte kommen können und als Selbstautor auch gerne gekommen wäre.
... eine Studie über Identitäten, spannend und anrührend, garantiert witzfrei, in der Konstruktion aber eben nicht ohne Witz. Kriminalliteratur wie sie sein sollte und wenn es ein paar mehr Freunde des Genres merken würden, könnte das diesem nicht schaden.
dpr
watching the detektivs
04.04.2011
Stiller Krimi
Mechtild Borrmanns Krimis kommen ohne zugerichtete Leichen, Serienmörder oder besonders helle Polizisten aus. Auch ihr neuer stiller Krimi hat andere Qualitäten.
….Mechtild Borrmann scheint sich von Krimi-Moden nicht beeinflussen zu lassen. Sie schreibt ihre stillen, schmalen, nicht sehr blutigen Bücher zu Themen, die sie offenbar beschäftigen.
….sie erzählt sensibel und berührend von einer Zeit, in der moralische Entscheidungen oft eine ungeheure Mutprobe waren.
Sylvia Staude
Frankfurter Rundschau
16.02.2011
... Auf nur 224 Seiten bietet sie dem Leser eine zutiefst ergreifende Geschichte, die ohne Serienmörder und waghalsige Verfolgungsjagden auskommt, dagegen Tränen in die Augen treibt, aber niemals sentimental oder gar kitschig wirkte. Eine knappe Erzählung, aber mit mehr Inhalt und Leben als mancher 1000-Seiten-Wälzer.
Fazit: Das beeindruckendste Buch, das ich in den letzten Monaten gelesen habe. Absolut empfehlenswert.
Ingrid Wittich
Gießener Zeitung
11.04.2011
...Geschickt verwebt Borrmann die Erzählstränge und schafft es, mit dem Fokus auf das feine Beziehungsgespinst in einem Dorf am Niederrhein, sich dem Terror der Kriegsjahre mit glaubhaft differenziert gezeichneten Figuren auf unterschiedlichen Ebenen zu nähern. Ihre Geschichte ist so gut konstruiert, dass sich hier nach und nach alles so selbstverständlich wie überraschend ineinander fügt.
...Schlank und konzentriert hat sie die Geschichte in Szene gesetzt, dabei allerdings noch präziser und eindringlicher formuliert als bisher. Borrmann beherrscht die vielsagenden Zwischentöne, hat etwas zu erzählen und macht das in diesem Buch so gut wie noch nie. Dabei waren schon die beiden Vorgängerromane klasse.
Frank Rumpel
CULTurMAG
05.03.2011
...Ein kleiner, aber feiner und geradliniger Roman.
...eine vorzüglich aufgebaute Geschichte, die tiefe Einblicke in menschliche Verhaltensweisen in Gemeinschaften erlaubt. Die Autorin vermag das Interesse an der Aufklärung der Geschichte immer wach zu halten. Sie erzählt so, dass der Leser der Auflösung entgegenfiebert.
Für mich, als 1944 Geborenen ist es schon erstaunlich, wie Mechtild Borrmann als noch wesentlich Jüngere die damalige Zeit schildert.
Jörg Völker
Krimikiosk.de
08.03.2011